Zuckerkrankheit - Diabetes mellitus


Ursache und Krankheitsverlauf:

Mangel an Insulin. Dieses Hormon ist wichtig für den Transport von Glukose aus dem Blut in die Zellen, wo Glukose für die Energiegewinnung der Zellen erforderlich ist.
Typ 1: Die Bauchspeicheldrüse produziert nicht genügend Insulin.
Typ 2: Die Körperzellen sind unempfindlich für Insulin und die Bauchspeicheldrüse gibt nicht genügend Insulin ab.
Mögliche Ursachen: erbliche Faktoren, Übergewicht, mangelnde Bewegung, glukosereiche Nahrung, chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse.
Ohne Therapie kann sich eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die diabetische Ketoazidose entwickeln.
Bei einem Teil der Katzen ist der Zustand des Insulinmangels vorübergehend.

Symptome:

vermehrtes Trinken und Wasserlassen, Heißhunger oder Inappetenz, Gewichtsabnahme bei zuvor Übergewicht, grauer Star (Hunde), Hinterhandlahmheit (Katzen)

 

Diagnose:

erhöhter Zucker- (Glukose-) gehalt im Blut und im Harn, erhöhter Gehalt an Fructosamin (ein Eiweiß, an das Glukose gebunden wird) im Blut

 

 

Therapie:

Insulin:
• I.d.R. wird Caninsulin® oder Lantus-Insulin® verwendet.
• Insulin wird 2 x täglich unter die Haut injiziert

Durchführung:

• Das Insulinfläschchen wird im Kühlschrank aufbewahrt.

• Insulin sollte nur gegeben werden, wenn vorher gefressen wurde.

• Vor der Entnahme wird bei Caninsulin© das Fläschen einige Male geschüttelt, bei Lantus-Insulin© ist kein Schütteln erforderlich.

• Für Caninsulin© müssen U-40 Insulinspritzen verwendet werden, für Lantus-Insulin© U-100 Insulinspritzen! Der unterste schwarze Ring gibt den Füllungszustand der Spritze an.

• Für Caninsulin© kann statt Spritzen auch ein VetPen© verwendet werden.

• Das Insulin wird an wechselnden Stellen unter die Haut injiziert.

Dosierung:

• Die Startdosierung beträgt i.d.R. 0,25-0,5 Einheiten Insulin pro Kilogramm Körpergewicht 2 x täglich, bei Katzen i.d.R. nicht mehr als 2 Einheiten pro Tier 2 x täglich.

• Zur Ermittlung des individuellen Insulinbedarfs dienen Blutzuckertagesprofile, der Nachweis von Zucker im Harn und die tägliche Trinkwassermenge.Blutzuckertagesprofil:
  ° Die Messungen erfolgen entweder in der Klinik oder zu Hause mit einem Blutzuckermessgerät aus der Apotheke.
  ° Das zeitliche Schema von Insulininjektion und Fütterung wird beibehalten wie immer.
  ° Über den Tag wird alle 2- 3 Stunden der Zuckerwert im Blut gemessen.
  ° Eine Blutzuckerkurve wird gezeichnet.
  ° Anhand der Blutzuckerkurve wird die Insulindosierung an den individuellen Bedarf angepasst.
Zuckerbestimmung im Harn:
  ° Ein Teststreifen wird in den Harn getaucht.
  ° Das Glukosemessfeld zeigt den Zuckergehalt im Harn.
Messung der täglichen Trinkwassermenge:
  ° Ein 1-l-Messbecher wird voll mit Wasser gefüllt, aus dem Messbecher wird der Wassernapf befüllt und nach Bedarf nachgegeben.
  ° Nach 24 Stunden wird der Inhalt des Wassernapfes zurück in den Messbecher gefüllt und die getrunkene Wassermenge bestimmt.
  ° Bei Feuchtfutter sollte die tägliche Trinkwassermenge unter 20 ml/kg liegen, bei Trockenfutter unter 70 ml/kg.

Überdosierung von Insulin:

• Bei Überdosierung von Insulin oder fehlender Futteraufnahme kommt es zum "Unterzucker", d.h. der Blutzuckerspiegel ist stark erniedrigt.

• Symptome sind Taumeln, Speicheln, Bewusstseinsstörungen.

• Soforthilfe: Flüssigzucker wie Wellion Gold, Traubenzucker, Honig oder Zuckerwasser wird auf die Mundschleimhaut gestrichen. (Man sollte für den Fall des "Unterzuckers" Flüssigzucker vorrätig halten.)

• Tierärztliche Hilfe: Kontrolle des Blutzuckerspiegels, Verabreichung von Glukose über einen Venenzugang direkt ins Blutgefäßsystem, Anpassung der Insulindosis

Fütterung:
• konstantes Futter, konstante Fütterungszeiten und konstante Futtermengen, ideal sind viele kleine Mahlzeiten über den Tag
Futtermittel: Das Futter sollte wenig leicht verdaulichen Zucker enthalten, da es sonst nach der Fütterung zu einem raschen Blutzuckeranstieg kommt. Durch einen hohen Fasergehalt (Lignin, Zellulose) wird eine langsame Verdauung erreicht, wodurch der Blutzuckerspiegel über den Tag konstanter gehalten wird.
Empfohlene Futtermittel: Hill´s w/d, Royal Canin Diabetic

Bewegung:
Durch Bewegung wird die Verteilung des Insulins im Körper gefördert und die Aufnahme von Glukose in die Muskelzellen stimuliert.

Gewichtsreduktion
(s. Übergewichtigkeit)

Therapiekontrolle:

Blutzuckertagesprofil und Bestimmung von Fructosamin zur Überprüfung der Insulindosierung alle 3 - 4 Monate

weiterführende Information:

• Flyer "Aktiv leben mit Diabetes mellitus" der Firma MSD Tiergesundheit

• Flyer "DIABETIC" der Firma Royal Canin