Artgerechte Fütterung von Kaninchen und Meerschweinchen


Futterangebot in der freien Natur:

In freier Natur fressen Kaninchen und Meerschweinchen Gräser, Kräuter und Blätter von Gemüsepflanzen. Wasser wird überwiegend in Form von Tautropfen aufgenommen.
Nicht zum Nahrungsspektrum gehören Getreidekörner wie Hafer, Roggen und Weizen.


Verdauungstrakt von Kaninchen und Meerschweinchen:

Kaninchen und Meerschweinchen haben Zähne, die ein Leben lang nachwachsen. Das Zahnwachstum beträgt 2 bis 3 mm pro Woche. Durch einen ständigen Zahnabrieb beim Kauen und Mahlen rohfaserreicher Nahrung bleibt die Zahnlänge immer etwa gleich.

Kaninchen und Meerscheinchen sind sogenannte Blinddarmfermentierer, das bedeutet, dass das aufgenommene Futter zunächst Magen und Dünndarm passiert, wo leichtverdauliche Nährstoffe gespalten und aufgenommen werden, die Verdauungsarbeit findet dann im Blinddarm statt, wo die Pflanzenzellulose durch Bakterien aufgespalten wird. Der Blinddarmkot wird meist in den Nachtstunden abgesetzt und direkt vom After wieder aufgenommen.

Kaninchen und Meerschweinchen können ihren Kalziumhaushalt nur über die Ausscheidung regulieren. Bei einem Überangebot an Kalzium wird die Aufnahme des Kalziums aus dem Darm nicht wie bei anderen Tierarten gedrosselt, es wird ein Übermaß an Kalzium aufgenommen und das Zuviel muss über die Nieren wieder ausgeschieden werden.

Meerschweinchen können Vitamin C selbst nicht synthetisieren und sind auf Vitamin C in der Nahrung angewiesen.

Probleme mit kommerziellen Futtermitteln:

Die meisten Fertigfutter für Kaninchen und Meerschweinchen sind zu energiereich mit der Folge, dass die Tiere verfetten.

Die Nahrung ist zu leicht verdaulich, der Rohfasergehalt ist zu gering, sodass das aufgenommene Futter zu schnell verdaut wird. Die empfindliche Bakterienflora wird gestört, die Folge sind lebensbedrohliche Fehlgärungen.

Das Futter ist zu weich. Ein Zermahlen des Futters ist kaum nötig, der Zahnabrieb findet nicht in dem Maße statt wie es als Gegenregulation für das ständige Nachwachsen der Zähne erforderlich wäre. Die Folge sind überlange, mit scharfen Spitzen in die Zunge oder die Backen stechende Zähne.

Durch die starke Verkürzung des Kauvorgangs sind die Tiere nur kurz mit der Futteraufnahme beschäftigt, was zu Verhaltensstörungen infolge Langeweile führt. Durch den zu hohen Kalziumgehalt in vielen Fertigfuttermitteln muss viel Kalzium über die Nieren ausgeschieden werden. Harnsteine aus Kalzium können die Folge sein.

Fütterungsempfehlung:

Wasser
Wasser muss täglich frisch in einem Schälchen oder einer Trinkflasche angeboten werden. Ideal wäre kalk-(kalzium-)armes Wasser. Das Leitungswasser in Ingolstadt ist relativ kalziumreich. Spätestens wenn bereits Probleme mit Harngries oder Harnsteinen aufgetreten sind, sollte auf für die Zubereitung von Babynahrung geeignetes Mineralwasser umgestellt werden.

 

Heu
Heu soll den Hauptbestandteil der Nahrung ausmachen. Es muss täglich frisch in einer Raufe angeboten werden. Der Anteil an Luzerne im Heu soll gering sein, da Luzerne viel Kalzium enthält.

Stroh
Stroh dient als Einstreu und stellt gleichzeitig eine Rohfaserquelle dar.

 

Pelletiertes Fertigfutter
Pelletiertes Fertigfutter muss einen Rohfaseranteil von mindestens 15% aufweisen. Geeignet sind Produkte der Firmen Oxbow und bunny nature.
Es darf nur eine kleine Menge, d.h. maximal 1 Teelöffel pro Tier und Tag angeboten werden.
Auf Körnerfutter und Jogurtdrops soll ganz verzichtet werden.

 

Grünfutter
Grünfutter (Gemüse, Kräuter, Obst) sollte das ganze Jahr zweimal täglich gefüttert werden, damit die Darmflora daran angepasst ist und bleibt. Wurde einige Tage kein Grünfutter gegeben, muss mit sehr kleinen Mengen begonnen werden, um Fehlgärungen zu verhindern. Welkes oder fauliges Grünfutter darf nicht verfüttert werden. Ob das Grünfutter nass oder trocken angeboten wird, spielt keine Rolle. Die Vitamin-C-Versorgung der Meerschweinchen wird über das Grünfutter gewährleistet, eine zusätzliche Vitamin-C-Gabe nicht erforderlich. Grünfutter darf nicht nass in Plastiktüten aufbewahrt werden und darf nicht kühlschrankkalt verfüttert werden.

Zweige
Äste zum Knabbern sind zur Erhaltung der Zahngesundheit erforderlich und dienen gleichzeitig der Beschäftigung. Zweige von Obstbäumen, Hasel, Weide, Birke und Ahorn sind geeignet. Nicht geeignet sind industriell hergestellte Nagehölzer, da oft nur die zuckerbesprühte Rinde der harten exotischen Hölzer abgeknabbert wird. Ungeeignet sind auch handelsübliche Nagesteine, da sie zu kalziumreich sind. Auch hartes Brot ist nicht geeignet, es enthält zu viel leicht verdauliche Energie.

Weiterführende Informationen

• Geeignete Grünfutter für Heimtiere: www.diebrain.de

• Flyer "Healty Rabbit PRO" der Firma Oxbow
    
• Flyer "Healthy Guinea Pig PRO" der Firma Oxbow

• Merkblatt "Zahngesundheit und Gebißveränderungen" der Firmen
   WDT und Bunny