Kastration beim Rüden und bei der Hündin


Definition:

• Kastration bedeutet beim Rüden die Entfernung beider Hoden und bei der Hündin die Entfernung beider Eierstöcke mit oder ohne Gebärmutter.
• Sterilisation bedeutet die Unterbindung der Samenleiter beim Rüden oder die Unterbindung der Eileiter bei der Hündin, dadurch wird zwar die Fortpflanzungsfähigkeit verhindert, nicht aber die hormelle Situation verändert; Hündinnen werden weiter läufig.

Argumente für und gegen eine Kastration:

Argumente für eine Kastration:
• Unterbindung einer unkontrollierten Vermehrung
• Vermeidung hormonell beeinflusster Erkrankungen
   ° Gebärmuttervereiterung (sehr häufig bei älteren Hündinnen)
   ° Milchleistentumoren (s.u.)
   ° Scheinträchtigkeit (keine Erkrankung im eigentlichen Sinne, gut therapierbar)
   ° Hodentumoren (rel. häufig)
   ° Prostataerkrankungen (selten Tumoren, häufiger gutartige Vergrößerungen)
   ° Bindegewebsschwäche mit Aussackung des Enddarms (rel. häufig)
• Vermeidung hormonell beeinflusster Verhaltensmuster
   ° Aggressivität zwischen Rüden, allerdings ist nicht jede Form der Aggressivität durch eine Kastration beeinflussbar
   ° Besteigen von Artgenossen oder Menschen
   ° Attraktivität läufiger Hündinnen für Rüden

Argumente gegen eine Kastration:
• tierschützerische Gesichtspunkte (operativer Eingriff bei einem gesunden Tier)
• Narkose- und Infektionsrisiko
• bessere Futterverwertung mit Gefahr der Übergewichtigkeit, duch Reduzierung der Futtermenge und Gewichtskontrollen sollte hier entgegengewirkt werden
• mögliche Fellveränderungen: übermäßiges Haarwachstum "Babyfell" bei langhaarigen Hündinnen, v.a. Spaniel, Langhaardackel, Irish Setter; haarlose Stellen im Bereich der Flanken bei kurzhaarigen Hündinnen
• Harnträufeln, Harninkontinenz, häufiger bei großwüchsigen Rassen, eine lebenslange medikamentöse Therapie kann erforderlich sein
• Einziehung der Schamlippen mit Faltenbildung und Entzündung, besonders bei übergewichtigen Hündinnen

Alternativen zur Kastration:

• beim Rüden Injektion hormonabgebender Implantate, relativ teuer
• Hormoninjektionen oder Antibabypillen bei der Hündin, sehr hohes Risiko der Entwicklung einer Gebärmuttervereiterung

Wahl des richtigen Zeitpunktes zur Kastration:

• Die Geschlechtsreife beginnt beim Rüden im Alter von 4 bis 10 Monaten und bei der Hündin im Alter von 6 bis 22 Monaten, kleinere Rassen werden früher geschlechtsreif als große Rassen.
• Hündinnen sollten nicht während der Läufigkeit kastriert werden, da sie zu dieser Zeit unter Östrogeneinfluss stehen, wodurch die Blutgerinnung beeinträchtigt ist und es zu größeren Blutverlusten kommen kann; Hündinnen sollten nicht während der Scheinträchtigkeit kastriert werden, da die Milch im Gesäuge Wundinfektionen begünstigen kann.
• Wird eine Hündin vor der ersten Läufigkeit kastriert, ist ihr Risiko an Milchleistentumoren zu erkranken fast gleich Null, nach der zweiten Läufigkeit kann das Risiko an Milchleistentumoren zu erkranken durch eine Kastration nicht mehr beeinflusst werden.
• Je älter Rüden bei der Kastration sind, desto weniger werden rüdenspezifische Verhaltensmuster durch die Kastration noch beeinflusst.
• Wir empfehlen die Kastration im Alter von ca. einem halben Jahr.

Ablauf einer Kastration:

 

 

 

 

 

Anästhesie und Nachsorge:

s. Chirurgie - Anästhesie

Besonderheiten:
• Ein Body kann bei der Hündin helfen, das Schlecken an der Wundnaht zu vermeiden

Terminvereinbarung:

s. Klinikorganisation - Op.-Termine

weiterführende Informationen:

•  Broschüre "Kastration bei Hunden" der Firma Royal Canin