Knochenbrüche, Frakturen


Einteilung:

• Einteilung nach der Ursache:
   ° traumatische Fraktur: Gewalteinwirkung, z.B. Autounfall, Schlag, Sturz
   ° pathologische Fraktur: Schwächung des Knochens durch eine Grundkrankheit, z.B. Knochentumor, der Bruch entsteht schon bei normaler Beanspruchung
   ° Ermüdungsfraktur: wiederholte geringe Krafteinwirkung, z.B. bei Greyhounds im Hunderennen
• Einteilung nach dem Bestehen einer Verbindung mit der äußeren Umwelt:
   ° gedeckte Fraktur: es besteht keine Hautwunde und keine Verbindung mit der Umwelt
   ° offene Fraktur: es besteht über eine Hautwunde Verbindung mit der Umwelt
• Einteilung nach dem Ausmaß der Knochenverletzung:
   ° vollständige Fraktur: völlige Zusammenhangstrennung des Knochens
   ° unvollständige Fraktur, z.B. Fisur: feiner Riss in der Knochenwand
• Einteilung nach dem Verlauf und der Lokalisation der Bruchlinie:
   ° Querfraktur: Bruch im rechten Winkel zur Längsachse des Knochens, Ursache sind Biegekräfte (A)
   ° Schrägfraktur: Bruch geradlinig spitzwinklig zur Längsachse des Knochens, Ursache sind Kompressionskräfte (B)
   ° Spiralfraktur: Bruch schraubenförmig um die Längsachse des Knochens, Ursache sind Rotationskräfte (C)
   ° Splitterfraktur: Knochensplitter sind vorhanden, Ursache ist eine Kombination von Biege-und Kompressionskräften (D)
   ° Stauchungsfraktur: die Knochenbruchstücke sind fest ineinander verkeilt, Ursache sind starke Kompressionskräfte (E)
   ° Abrissfraktur: Abriss einer Sehne oder eines Bandes vom Knochen, Ursache ist eine Zugkraft am Muskel oder am Band (F)

Symptome:

• keine Belastung der betroffenen Gliedmaße
• abnorme Stellung der Gliedmaße
• Schmerzhaftigkeit bei Berühren der Gliedmaße
• fühlbares Knirschen von Bruchenden aneinander (Krepitation)

Diagnose:

Röntgenuntersuchung:
• zur Planung der operativen Versorgung sind meist Aufnahmen des gebrochenen Knochens aus zwei verschiedenen Richtungen (Ebenen) erforderlich
• meist sind auch Röntgenaufnahmen von Brust-und Bauchraum zum Ausschluss innerer Verletzungen vor einer Narkose erforderlich
Blutdruckmessung zur Diagnose eines Bluthochdrucks

Therapie:

primäre Versorgung:

• Schockbehandlung: Knochenbüche sind per se nicht lebensbedrohlich. Bevor an eine Narkose zur Operation gedacht werden kann, muss eine stabile Kreislaufsituation wiederhergestellt werden
• Schmerzbehandlng
• Antibiose bei offenen Brüchen
• Polsterverband, wenn dieser gut toleriert wird; Oberarm-und Oberschenkelbrüche benötigen keinen Verband zur Ruhigstellung; bei offenen Brüchen sterile Wundabdeckung und Verband
• Ruhe

konservative Frakturversorgung - Behandlung mit einem Kunstharzverband ohne Operation:

Indikation:
• der Bruch muss unterhalb des Ellbogen- oder Kniegelenks liegen
• die Bruchlinie darf nicht in ein Gelenk ziehen, die Bruchstücke dürfen nur wenig voneinander verschoben sein
• es soll sich um ein junges, idealerweise unter einem Jahr altes Tier, handeln
• ein Verband muss über ca. 6 Wochen toleriert werden
Durchführung:
• eventuell ist zum Einrichten und Anlegen des ersten Verbandes eine Narkose erforderlich
• Röntgenkontrolle nach dem Anlegen des Verbandes
Nachbehandlung:
• erster Verbandwechsel nach 3 Tagen, wenn die Wundschwellung zurückgegangen ist
• Verbandwechsel mindestens einmal wöchentlich, 6 Wochen lang
• nach 6 Wochen röntgenologische Kontrolle der Bruchheilung
• ggf. weiterer Kunstharzverband oder leichter Polsterverband für 2 weitere Wochen

operative Versorgung:

Zeitpunkt der Osteosynthese:
• offene Frakturen: möglichst frühzeitig, sobald die Kreislaufsituation eine Narkose zulässt
• Frakturen mit Gelenkbeteiligung oder Verletzung einer Wachstumsfuge: wenn möglich innerhalb von ein bis zwei Tagen
• gedeckte Frakturen ohne Gelenkbeteiligung: innerhalb von 3 bis 4 Tagen
Operationstechniken:
• Marknagelung, Bohrdrähte
• Verdrahtung
• Schraubenosteosynthese
• Plattenosteosynthese
• Fixateur externe

Komplikationen:
• Wundinfektion, Knochenentzündung
• verzögerte Knochenheilung, ausbleibende Knochenheilung
• Nichteinheilen von Splittern, Pseudogelenkbildung
• Ausriss, Lockerung von Implantaten

Nachsorge beim Haustierarzt:

• Schmerzmittelgabe für ca. 5 bis 10 Tage
• Antibiose für 5 bis 10 Tage, bei nachgewiesener Infektion für 6 Wochen
• Wundkontrollen an den ersten beiden Tagen nach der Operation, dann nach weiteren 3 bis 4 Tagen, dann in Abhängigkeit von der Wundheilung
• Polsterverband bei Brüchen unterhalb des Ellbogen- oder Kniegelenks für 2 bis 3 Tage zur Verhinderung einer postoperativen Schwellung; bei einen Fixateur externe Schutz des Fixateurs durch einen Verband solange, bis der Verband entfernt werden kann
• Fädenziehen 10 bis 12 Tage nach der Operation
• Bewegungseinschränkung für 6 Wochen (beim Hund Leinenzwang, kein Stöckchen- oder Ballspielen, kein Herumtollen mit anderen Hunden, bei der Katze Käfigruhe, z.B. durch Unterbringung in einem Kinderlaufstall oder in einem Raum, der keine Möglichkeiten bietet, auf Tische, Fensterbänke etc. zu springen).
• Röntgenkontrolle 6 Wochen nach der Operation

Implantatentfernung:

• Gründe:
   ° Störung des Längenwachstums bei Jungtieren
   ° eventuelle Infektion um das Implantat
   ° eventuelle Implantatlockerung, Implantatbruch
   ° Lahmheit bei Wetterumschwung, Ursache: Platte und Knochen dehnen sich bei Erwärmung oder Abkühlung unterschiedlich, wodurch schmerzhafte Spannungen im Knochen entstehen
   ° unvollständige Mineralisierung eines durch eine Platte geschützten Knochens
   ° Korrosion
• Ausnahmen:
   ° verzögerte Knochenheilung
   ° geriatrische Patienten
   ° Brüche der Speiche im unteren Bereich bei Zwergrassen, Becken- und Oberarmbrüche
   ° einzelne Schrauben oder Drähte
• Zeitpunkt der Implantatentfernung:

  Alter des Tieres                       Bohrdrähte oder                         Knochenplatten
                                                            Fixateur externe
  unter 3 Monaten
2 bis 3 Wochen
4 Wochen
  3 bis 6 Monate
4 bis 6 Wochen
2 bis 3 Monate
  6 bis 12 Monate
5 bis 8 Wochen
3 bis 5 Monate
  über 1 Jahr
7 bis 12 Wochen
5 bis 14 Monate