Reisekrankheiten


"Reisekrankheiten" sind Krankheiten, die in Deutschland nicht (manche mittlerweile gelegentlich) vorkommen.
Hunde infizieren sich bei Reisen in die süd- und osteuropäischen Länder durch Zeckenbisse oder Mückenstiche.

Reisekrankheiten sind:

Babesiose
Verbreitung: gesamter Mittelmeerraum, Südeuropa, zunehmend auch Deutschland, Belgien, Niederlande, Frankreich, Osteuropa
Erreger: Babesia canis canis, Babesia canis vogeli, Babesia canis rossi, Babesia gibsoni, Einzeller
empfängliche Tierarten: Hund, Mensch, sehr selten Katze
Übertragung: duch Biss von Zecken der Gattung Dermacentor und Ripicephalus
Inkubationszeit: Symptome 3 Tage bis 4 Wochen nach dem Zeckenbiss
Symptome: hohes Fieber, Inappetenz, Apathie, Gewichtsverlust, Blässe, gelbe Schleimhäute, dunkler Harn
Diagnose: Erreger- oder Antikörpernachweis im Blut, ca. 10 Tage nach der Ansteckung möglich
Therapie: babesienabtötendes Medikament (Imidocarb u.a.), Infusion, Bluttransfusion
Prophylaxe: zeckenabwehrende Mittel, als Halsband oder Spot-on, Imidocarb, Hunde mindestens täglich nach Zecken absuchen, da die Übertragung frühestens nach 24 Stunden stattfindet
Impfempfehlung: für Hunde, die sich in Deutschland aufhalten, wird die Impfung aufgrund des noch seltenen Vorkommens der Erkrankung bislang nicht empfohlen, bei längeren Aufenthalten in süd- und osteuropäischen Ländern kann eine Impfung sinnvoll sein
Impfschema:
 Grundimmunisierung:
  Impfung möglich ab einem Alter von 6 Monaten
  2 Impfungen im Alter von 3-6 Wochen
 Auffrischung: alle 6 Monate

 

Dirofilariose - Herzwurmerkrankung
Verbreitung: gesamter Mittelmeerraum
Erreger: Dirofilaria immitis, ein Wurm
empfängliche Tierarten: Hund, selten Katze
Übertragung: duch Stechmücken: Culex, Aedes, Anopheles
Krankheitsverlauf: von den Stechmücken werden Larven (Mikrofilarien) übertragen, die Larven entwickeln sich im rechten Herzen der Hunde zu Würmern (Makrofilarien)
Inkubationszeit: Symptome 6 Monate nach der Infektion
Symptome: rasches Ermüden, Leistungsschwäche, Gewichtsverlust, Husten, Atemnot
Diagnose: Nachweis von Mikrofilarien im Blut oder Antikörper gegen Makrofilarien, 6 Monate nach dem Mückenstich möglich
Therapie: Medikamente zur Abtötung der Makrofilarien (Melarsamin)
und Mikrofilarien (Ivermectinu.a.),symptomatische Begleittherapie
Prophylaxe: larvenabtötende Mittel als Spot-on oder Tablette 1x pro Monat (erste Anwendung spätestens eine Woche nach Einreise, dann alle 4 Wochen, letzte Anwendung innerhalb von 4 Wochen nach der Ausreise), nachts engmaschiges Moskitonetz vor dem Fenster

 

Ehrlichiose

Verbreitung: gesamter Mittelmeerraum, vereinzelt auch in Deutschland
Erreger: Ehrlichia canis und andere Ehrlichia spp., in Zellen lebende Bakterien
empfängliche Tierarten: Hund, sehr selten Katze
Übertragung: duch Biss der Zecke Rhipicephalus sanguineus
Inkubationszeit: erste Symptome 1 bis 3 Wochen nach dem Zeckenbiss
Symptome: hohes Fieber, Apathie, Gewichtsverlust, Schwellung in mehr als einem Gelenk, Blutungsneigung, z.B. Nasenbluten
Diagnose: Erregernachweis im Blut, in Punktaten aus Milz, Knochenmark, Lymphknoten,möglich ab 5 Tage nach dem Zeckenbiss; Antikörpernachweis im Blut, ab 14-28 Tage nach dem Zeckenbiss
Therapie: gegen Ehrlichien wirksame Antibiotika
Prophylaxe: zeckenabwehrende Mittel als Halsband oder Spot-on

 

Hepatozoonose
Verbreitung: Portugal, Spanien, Südfrankreich, Italien, Griechenland
Erreger: Hepatozoon canis, ein Einzeller
empfängliche Tierarten: Hund, selten Katze
Übertragung: duch Verschlucken der Zecke Ripicephalus sanguineus durch den Hund
Inkubationszeit: Symptome 2 bis 4 Wochen nach der Zeckenaufnahme
Symptome: Fieber, Lethargie, Gewichtsverlust
Diagnose: Erreger- oder Antikörpernachweis im Blut, ca. 5 Wochen nach der Ansteckung möglich
Therapie: hepatozoenoabtötendes Medikament (Imidocarb), Antibiotika
Prophylaxe: zeckenabwehrende Mittel, als Hals-
band oder Spot-on, Hunde regelmäßig nach Zecken absuchen

 

Leishmaniose
Verbreitung: im gesamten Mittelmeerraum, vorwiegend in den küstennahen Gebieten und auf den großen Inseln: Portugal, Spanien, Südfrankreich, Italien, Kroatien, Griechenland, Türkei, Nordafrika, Asien
Erreger: Leishmania infantum, ein Einzeller
empfängliche Tierarten: Hund, sehr selten Katze
Übertragung: duch Stich von dämmerungs- und nachtaktiven Sandmücken der Gattung Phlebobotomus oder Lutzomyia, im Mutterleib auf die Welpen
Inkubationszeit: Auftreten von Symptomen erst nach Monaten bis Jahren
Symptome: reduzierte Belastbarkeit, Fieberschübe, Gewichtsverlust, kahler,schuppiger Nasenrücken, kahle, schuppige Ohrränder, Haarausfall um die Augen, Krallenbettentzündungen, vermehrtes Krallenwachstum
Diagnose: Antikörpernachweis im Blut,
erst Wochen bis Monate nach Infektion möglich; Erregernachweis in Hautbiopsien, Lymphknoten- oder Knochenmarkspunktaten
Therapie: erregerabtötende Medikamente (Megluminantimonat, Miltefosin, Allopurinol), Infusion, Bluttransfusion
Prophylaxe: mückenabwehrende Mittel, als Hals-
band oder Spot-on, Aufenthalte im Freien nur auf den Tag begrenzen (1 Stunde nach Sonnenaufgang bis 1 Stunde vor Sonnenuntergang), Aufenthaltsräume durch engmaschige Insektengitter (< 1 mm) schützen
Impfempfehlung: Eine Infektion geimpfter Hunde wird verringert aber nicht sicher verhindert. Der Impfstoffhersteller empfiehlt die Impfung bei Reisen in den Mittelmeerraum. Mit der Immunisierung muss mindestens 10 Wochen vor Reiseantritt begonnen werden.
Impfschema:
 Grundimmunisierung:
  1. Impfung ab einem Alter von 6 Monaten
  2. Impfung nach 3 Wochen
  3. Impfung nach weiteren 3 Wochen
  Impfschutz nach weiteren 4 Wochen
 Auffrischung: jährlich
 Mindestabstand zu anderen Impfungen: 2 Wochen

 

Prophylaxe

Durch Zecken werden übertragen: Babesiose, Ehrlichiose, Hepatozoonose
Durch Mücken werden übertragen: Dirofilariose, Leishmaniose

Zur Vorbeuge wird empfohlen den Hund vor Reiseantritt sowohl mit einem zecken- als auch mit einem mückenabwehrenden Mittel als Spot-on zu behandeln.
Zeckenabwehrende Mittel gibt es auch in Halsbandern und Schutz vor Herzwurmbefall auch in Tablettenform.

Die Mittel bieten keinen 100%igen Schutz.
Zusätzlich wird empfohlen, die Hunde täglich nach Zecken abzusuchen, Aufenthalte im Freien nur auf den Tag zu begrenzen (von einer Stunde nach Sonnenaufgang bis eine Stunde vor Sonnenuntergang) und Aufenthaltsräume durch engmaschige Insektengitter (Maschenweite unter 1 mm) zu schützen.

Bei Hunden, die aus süd- und osteuropäischen Ländern nach Deutschland mitgebracht werden, oder bei Hunden, die nach einem Auslandsaufenthalt Krankheitssymptome zeigen, empfiehlt sich eine Blutlaboruntersuchung auf "Reisekrankheiten".