Parodontalerkrankung bei Hund und Katze


 

Ursache und Krankheitsverlauf

Immer wieder neu entsteht auf den Zähnen Zahnbelag = Plaque, ein Film der sich zusammensetzt aus aggregierten Bakterien der Mundhöhle, deren Stoffwechselprodukten, Speichelbestandteilen, Zellen der Mundhöhle und Futterresten. Dieser Biofilm schlägt sich bereits Minuten nach einer Zahnreinigung wieder auf der Zahnoberfläche nieder. Durch Einlagerung von Kalk aus dem Speichel kommt es zur Mineralisation und damit zum Festwerden des Zahnbelags, es entsteht die erste Schicht Zahnstein. Dies dauert etwas 24 Stunden. Am Zahnstein haften weitere Plaqueablagerungen an, der Zahnstein wird immer dicker.
Entlang des Zahnfleischrandes kommt es zu einer Zahnfleischentzündung = Parodontitis. Verantwortlich sind am Zahnstein anhaftende Bakterien und die Immunantwort des Patienten. Das Ausmaß der Zahnfleischentzündung wird durch eine erbliche Veranlagung beeinflusst.
Folgen der Zahnfleischentzündung sind Zahnfleischrückgang, parodontale Taschenbildung, Zerstörung der Fasern des Zahnhalteapparats, Abbau des Alveolarknochens, Lockerung der Zahnverankerung und Zahnverlust.
Am Zahnstein haftende Bakterien können durch Einatmen Ursache für chronische Atemwegsinfekte sein oder über die Blutbahn verbreitet sich an Herzklappen ansiedeln.

 

Symptome

  • Mundgeruch
  • Schwellung, Rötung und Blutung am Zahnfleischrand
  • Zahnfleischrückbildung
  • Zahnstein
  • Zahnlockerung
  • Schmerzen beim Kauen

Therapie

Die Zahnbehandlung erfolgt in Allgemeinanästhesie, eine Intubation verhindert das Abfließen von bakterienbelasteten Spülflüssigkeiten in die Lunge

  • Verabreichung eines Antibiotikums
  • Spülung der Mundhöhle mit einem Antiseptikum
  • Entfernung größerer Zahnsteinauflagerungen mit einer Zahnzange
  • Extraktion gelockerter Zähne
  • Entfernung von Zahnstein mit einem Ultraschallzahnreiniger
  • Säuberung und Glättung der vom Zahnfleisch bedeckten Zahnbereiche
  • Zahnpolitur mit Polierpaste zur Glättung der Zahnoberfläche, damit Plaque sich schlechter anhaften kann
  • Spülung von Zahfleischtaschen mit einem Antiseptikum
  • bei tiefen Zahnfleischtaschen Verringerung der Taschentiefe durch Abtragung von Zahnfleisch
  • Schmerzmittelgabe bei Zahnextraktion

 

Prophylaxe

Ohne Prophylaxe ist 3 Monate nach einer Parodontalbehandlung der ursprüngliche Zustand wie vor der Therapie wieder vorhanden.

 

Tägliches Zähneputzen:

Tägliches Zähneputzen ist die wirksamste Maßnahme zur Beseitigung von Zahnbelag und damit zur Vorbeugung von Parodontalerkrankungen.
Zahnstein kann durch Zähneputzen nicht mehr beseitigt werden.
Zahnbürste: Verwendet werden Bürsten mit weichen bis mittelharten Nylonborsten in einer für das jeweilige Tier passenden Größe. Fingerbürsten sind weniger effektiv,können aber in der Gewöhnungsphase hilfreich sein.
Zahnpasta: Empfohlen wird eine nicht schäumende, schmackhafte Zahnpasta für Tiere. Zahncremes für Menschen sollen nicht verwendet werden, da sie einen zu hohen Gehalt an Fluoriden aufweisen und die Tiere die Zahnpasta abschlucken und sich vergiften können.
Zahnputztechnik: Zähne und Zahnfleisch werden mit kreisenden oder seitwärts gerichteten schrubbenden Bewegungen gereinigt. Die Zahnbürste soll in einem Winkel von 45° zur Zahnoberfläche gehalten werden, damit die Borsten unter den Zahnfleischsaum eindringen können.
Häufigkeit: Tagliches Zähneputzen wird empfohlen. Putzen jeden zweiten Tag reicht nicht aus, um das Zahnfleisch gesund zu erhalten. Zweimal tägliches Bürsten mit harter Bürste führt zu Schleimhautverletzungen.
Gewöhnungsphase: Ideal wird mit dem Training bereits im Welpenalter begonnen. Anfangs nur kurz wenige Zähne putzen ohne Öffnung des Kiefers, langsam steigern. Nachdem das Putzen der Außenseite gewöhnt ist, kann versucht werden, auch die Innenflächen der Zähne zu putzen. Gelingt dies nicht, soll trotzdem das Putzen der Außenseite aufrechterhalten werden.
ähneputzen wird meist besser akzeptiert, wenn es mit einer bestehenden Routine, z.B. dem anschließenden Gassigehen verbunden wird.

Antiseptika, enzymatische Plaquekontrolle:

Antiseptika wie Chlorhexidinglukonat reduzieren die Bakterien in der Mundhöhle. Mit Enzymen besprühte Leckerchen helfen den Zahnbelag zu spalten. Kalziumbindende Stoffe verringern die Mineralisierung des Zahnbelags. Diese Mittel können das Zähneputzen nicht ersetzen, aber eine gute Ergänzung sein.
Zahnpflegefuttermittel:

Zahnpflegefuttermittel mit besonderen Struktureigenschaften können durch mechanische Zahnreinigung Zahnablagerungen und Zahnfleischentzündungen signifikant reduzieren, aber nicht verhindern. Das Futter sollte mit dem Veterinary Oral Health Council (VOHC©) - Siegel ausgezeichnet sein. Etwa 20% des Futters sollte durch ein Zahnpflegefuttermittel ersetzt werden.

 

weiterführende Informationen:

• Merkblatt "Tägliches Zähneputzen " der Firma Royal Canin

• Broschüre "Was Sie gegen tierischen Mundgeruch und
      Zahnprobleme tun können" der Firma Virbac
• Flyer "Liebe ist ... wenn man sich gut riechen kann"
      der Firma Virbac
• Flyer "Denticur" der Firma Albrecht
     
• Flyer "Zahnerkrankungen" der Firma Hill´s


Zahnformel beim Hund:

Durchbruch der Milchzähne im Alter von 3-12 Wochen
Milchgebiss: Oberkiefer: 3Id1Cd3Pd, Unterkiefer: 3Id1Cd3Pd = 28 Zähne
Zahnwechsel im Alter von 3-7 Monaten
Bleibendes Gebiss: Oberkiefer: 3I1C4P2M, Unterkiefer: 3I1C4P3M = 42 Zähne

Zahnformel bei der Katze:

Durchbruch der Milchzähne im Alter von 2-6 Wochen
Milchgebiss: Oberkiefer: 3Id1Cd3Pd, Unterkiefer: 3Id1Cd3Pd = 28 Zähne
Zahnwechsel im Alter von 3-5 Monaten
Bleibendes Gebiss: Oberkiefer: 3I1C4P2M, Unterkiefer: 3I1C4P3M = 42 Zähne

Zahnformel beim Frettchen:

Durchbruch der Milchzähne im Alter von 2-6 Wochen
Milchgebiss: Oberkiefer: 3Id1Cd3Pd, Unterkiefer: 3Id1Cd3Pd = 28 Zähne
Zahnwechsel im Alter von 2-4 Monaten
Bleibendes Gebiss: Oberkiefer: 3I1C3P1M, Unterkiefer: 3I1C3P2M = 34 Zähne

Zahnformel beim Kaninchen:

Durchbruch der Milchzähne bei der Geburt
Milchgebiss: Oberkiefer: 2Id3Pd, Unterkiefer: 1Id2Pd = 16 Zähne
Zahnwechsel im Alter von 3-5 Wochen
Bleibendes Gebiss: Oberkiefer: 2I3P3M, Unterkiefer: 1I2P3M = 28 Zähne

Zahnformel beim Meerschweinchen:

Durchbruch der bleibenden Zähne bis 7 Tage nach der Geburt
Bleibendes Gebiss: Oberkiefer: 1I1P3M, Unterkiefer: 1I1P3M = 20 Zähne